Autor: Manuel Stagars
Februar 2026

Crypto Valley hat seit seinen Anfängen 2013 mehrere Höhen und Tiefen erlebt. Manche Ideen haben die Welt verändert, andere sind kläglich gescheitert. Hier eine Auswahl von fünf Erfolgen und fünf Pleiten aus dem Crypto Valley. Was hat funktioniert, was nicht, und was lernen wir daraus? Beginnen wir mit den Erfolgen.

Erfolg 1: Ansiedlung von Ethereum als Grundlage für dezentrale Plattformen. 2013 gab es ausser Bitcoin keine anderen Kryptowährungen, doch Ethereum hat dies grundlegend verändert. Mit Ethereum zog Zug ein Leuchtturmprojekt an, das wahrscheinlich damals an jedem anderen Ort gescheitert wäre. Als eines der frühesten Projekte in der Kryptoszene legte Ethereum den Stein für Smart Contracts und dezentrale Anwendungen und machte den Kryptoboom überhaupt erst möglich. Die Schweiz bot den rechtlichen Rahmen, damit solche Technologien legal wachsen konnten. Das hat globale Standards gesetzt.

Erfolg 2: Die erste Stadt, die Bitcoin akzeptiert. 2016 führte Zug als weltweit erste Gemeinde Bitcoin für Steuern und Gebühren ein. Ein kleiner Schritt, der ganz selbstverständlich machte, was vorher verrückt klang, denn damals wollte fast niemand sich auf das Abenteuer Bitcoin einlassen. Heute sind Zahlungen in Kryptowährungen fast schon normal, doch die Stadt Zug war weltweiter Vorreiter.

Erfolg 3: Regulatorische Vorreiterrolle. Die FINMA-Richtlinien von 2017 waren die ersten klaren Kryptoregeln schlechthin, während andere Länder, allen voran die USA, noch mit dem Gedanken spielten, Krypto zu verbieten. Die FINMA schuf Klarheit, ohne Innovation zu ersticken, und ihre Richtlinien haben viele andere Länder inspiriert. Natürlich kommt Innovation vor allem durch Unternehmertum zustande, doch auch die Politik und die Finanzmarktaufsicht muss mitspielen, sonst funktioniert es nicht. Das war ein ganz klarer Erfolgsfaktor im Crypto Valley.

Erfolg 4: Erste Kryptobanken und hybride Finanzmodelle. Im August 2019 erhielten die weltweit ersten Kryptobanken eine Schweizer Bankenlizenz, die SEBA Bank und Sygnum. Sie boten als erste Kryptodienstleistungen in einem traditionell regulierten Bankenrahmen an, auch dies eine unglaubliche Pionierleistung, die Crypto Valley möglich gemacht hat. Traditionelle Banken haben seither ebenfalls Kryptoassets in ihre Angebote übernommen, beispielsweise die Kantonalbanken, die sichere Verwahrung von Kryptowährungen im normalen Bankkonto anbieten. Das hat den Finanzplatz Schweiz modernisiert und Effizienz gebracht.

Erfolg 5: Talent- und Bildungskreislauf. Universitäten wie die Hochschule Luzern (HSLU), die Uni Luzern, die Universität Zürich, oder die ETH Zürich bieten heute zahlreiche Blockchain-Kurse an. Der Vorreiter war die HSLU mit dem ersten Blockchainlehrgang der Schweiz. Nur wenn auch genug Wissen vorhanden ist, können Firmen Jobs schaffen und Talente nachhaltig beschäftigen. Der Bildungskreislauf hat einen positiven Loop geschaffen, der die Schweiz als Tech-Nation stärkt.

Schauen wir uns nun noch ein paar Pleiten an.

Pleite 1: Das Platzen der ICO-Blase 2017/18. Von einigen als Erfolg gefeiert, hat der Boom der Initial Coin Offerings (ICOs), die 2017/18 über das Crypto Valley hereinbrach, einen fahlen Nachgeschmack hinterlassen. Viele Unternehmen versprachen Anlegern das Blaue vom Himmel und sammelten in Rekordzeit Millionen ein, doch die wenigsten hatten ein echtes Produkt. Als die Blase dann platzte, ging viel Geld verloren, und Crypto Valley erlitt einen Imageschaden. Man litt mit, aber auch dazugelernt: Lieber auf Qualität als auf Quantität setzen. Die neuen Schweizer Krypto-Regulierungen, die 2026 in Kraft treten sollen, sollen die Transparenz im Sektor noch weiter erhöhen.

Pleite 2: Der Envion-Fall. 2018 versprach ein Startup mobiles Mining mit Ökostrom und sammelte über 90 Millionen Franken ein, jedoch ohne FINMA-Bewilligung. Die FINMA stoppte den Schwindel 2019 und ordnete die Liquidation. Trotzdem verloren Anleger viel Geld. Lektion: Ohne rechtliche Sicherheit und die richtige Lizenz geht nichts.

Pleite 3: Konflikte in der Tezos Foundation (2017/18). Tezos begann als Erfolgsgeschichte im Crypto Valley und sammelte in seinem ICO 232 Millionen U.S. dollar ein. Doch schon bald kamen interne Streitigkeiten zwischen den Gründern und der Tezos Foundation auf den Tisch, die zu langwierigen Verzögerungen und Klagen endeten. Zum Glück war Tezos kein Totalausfall, aber der Umschwung vom Vorzeigeprojekt zum öffentlich ausgetragenen Streit gab dem Projekt einen massiven Reputationsschaden und führte auch zu massiver Kritik an den Stiftungs-Modellen, die im Crypto Valley bis anhin so gut funktioniert hatten.

Pleite 4: Swiss Real Coin-Kollaps (2018). Swiss Real Coin, ein Projekt zur Tokenisierung von Immobilien, wurde mit grossen Tönen beworben, doch dann scheiterte es an regulatorischen Barrieren und unzureichendem Investorenschutz. Das ICO sammelte zwar Geld, aber das Projekt löste sich auf, ohne die versprochenen Assets zu tokenisieren. Signalwirkung: Möglicherweise war das Projekt seiner Zeit voraus, denn heute ist die Tokenisierung von Real World Assets (RWA) in aller Munde.

Pleite 5: «Swiss Finish» und regulatorische Hürden. Während in den Anfangszeiten das Crypto Valley der einzige Ort der Welt für Kryptounternhmer war, gibt es heute viele andere Hubs, die oftmals besser abschneiden. Die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) beispielsweise ziehen heute mehr Kryptounternehmer an als die Schweiz. Warum? Startups brauchen heute von Anfang an ein Legal Team und scheiterten an neuen Lizenzen, und die FINIG-Änderungen, schaffen hier keine Abhilfe. Zu teuer, zu kompliziert, das nennt man das «Swiss Finish». Einige Firmen und DeFi-Projekte wanderten ab, dorthin, wo das Gras für den Moment grüner ist. Lektion: Regulierung schützt, kann aber auch bremsen.

Was bleibt nun unter dem Strich? Die Erfolge überwiegen, doch die Pleiten haben wehgetan. Beide haben sie den Sektor robuster und zukunftsfähiger gemacht. Heute ist Crypto Valley reifer: Weniger Hype, mehr echte Anwendungen wie Tokenisierung von Real World Assets (RWA) oder hybride Bankingmodelle. Der Mix aus Pioniergeist und Schweizer Vorsicht hat sich bewährt.

Wenn du die Geschichten hinter den Höhen und Tiefen im Crypto Valley aus erster Hand hören willst, dann schau dir die Interviews mit den Pionieren selbst an auf www.cryptovalleypioneers.ch. Sie erzählen von Triumphen, Fehlern und was sie daraus gelernt haben. Darin zeigen sich natürlich auch Muster, die für andere Branchen ebenso gelten.