Autor: Manuel Stagars
Februar 2026

Crypto Valley entstand in Zug um 2012 und hat sich seither zu einem Milliarden-schweren Powerhouse in Sachen Blockchain und Cryptowährungen etabliert. Wer dabei war reibt sich noch manchmal die Augen und fragt sich, wie das alles möglich war. Sicher, vor zehn Jahren hat noch kaum jemand von Krypto und Blockchain gesprochen, und die Welt war eine andere. Doch die Frage ist berechtigt: Wäre so etwas wie ein Crypto Valley heute überhaupt noch machbar, oder ist die Welt zu reguliert, zu ängstlich, zu wettbewerbsintensiv und zu klimabewusst geworden? Bleiben wir ehrlich: Es wäre schwieriger als damals, aber nicht unmöglich. Schauen wir uns dies doch einmal genauer an.

Alles beginnt mit den richtigen Zutaten. Crypto Valley war möglich, weil damals alles zusammengepasst hat. Eine kleine Gruppe hungriger Unternehmer wollten ihre Krypto-Businesses starten. Sie stiessen auf eine offene Zuger Politik mit wenigen Regulierungen und genau dem richtigen Quäntchen Präzision die grössere Skandale vermieden hat. Ethereum mit Vitalik Buterin am Steuer war der Stein, der dann alles ins Rollen brachte. Das war möglich, weil die Schweiz frühzeitig klare Regeln schuf. Die FINMA führte 2017 die ersten Richtlinien ein, die Blockchain als Chance sahen, nicht als Risiko. Aber heute? Die Landschaft hat sich verändert. Gesetze und Regulierungen sind strenger geworden, und globale Konkurrenz von Orten wie Singapur oder Dubai hat angezogen. Würde ein neues Crypto Valley in der Schweiz entstehen, müsste es mit der MiCA-Regulierung der Europäischen Union klarkommen, die seit 2025 Stablecoins und Crypto-Dienste harmonisiert.

Regulation ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite schützt sie Anleger vor Wildwuchs und zweifelhaften Angeboten, doch sie zwingt Startup-Unternehmer auch, immer höhere Anforderungen zu erfüllen, die möglicherweise Innovation im Keim ersticken. 2013 konnte man ein Krypto-Startup gründen ohne jegliche Lizenzen. Im Oktober 2025 eröffnete der Schweizer Bundesrat die Vernehmlassung zur Änderung des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG), welches die Regulierung von Fintech- und Kryptodienstleistungen präzisieren soll. Zwei neue Bewilligungskategorien stehen im Zentrum, Zahlungsmittelinstitute und Krypto-Institute, die fast alle Unternehmen im Kryptobereich tangieren. Wer beispielsweise eine Wallet anbietet, braucht bald eine Lizenz. Das alles macht den Einstieg teurer und langsamer. Statt sofort loszulegen brauchen junge Unternehmer nun Anwälte und Compliance-Teams. Ein neues Crypto Valley müsste also Regulierung als Feature sehen, nicht als Bug. Das zieht natürlich eine andere Art von Unternehmern an.

Was ist mit der globalen Konkurrenz? Damals war Zug fast allein auf weiter Flur, vor allem auch, weil sich keine Regierung in Zeiten von Mt. Gox und Silk Road auf Krypto einlassen wollte. Heute konkurrieren Hubs wie das Silicon Valley mit AI-Blockchain-Fusionen oder die UAE oder Saudi Arabien mit steuerfreien Zonen, die Unternehmer anlocken sollen. Krypto Valley kann da nur schwer mithalten, denn die Schweiz setzt seit jeher Rahmenbedingungen, unterstützt Unternehmen aber nicht mit finanziellen Mitteln. Ein neues Crypto Valley bräuchte verankerte Partnerschaften mit etablierten IT-Unternhmen. Was für ein Gegensatz zum Crypto Valley im Jahr 2013. Damals war Crypto ein Nischending für Nerds, heute ist es Mainstream, was den Pioniergeist erschwert, aber Skalierbarkeit erleichtert.

Ein zusätzlicher grosser Stolperstein ist Klimaneutralität und Nachhaltigkeit. Die frühen Krypto-Unternehmer ignorierten den Energieverbrauch weitgehend, aber 2026 ist das tabu. Proof-of-Work (Bitcoin) frisst Strom wie ein hungriger Bär, während Proof-of-Stake-Modelle, die weniger Energie verbrauchen, dominieren. Es gibt viele Möglichkeiten, Blockchain-Netzwerke grüner zu machen, und ein neues Crypto Valley müsste von vornherein nachhaltig sein, sonst riskiert es Boykotte. Die positive Seite davon: Es schafft Chancen für grüne Innovationen, wie tokenisierte CO2-Kredite. Doch natürlich addiert diese eine Auflage und einen Kostenfaktor mehr auf die bereits bescheidenen Budgets von Jungunternehmern im Krypto-Bereich.

Soziale und wirtschaftliche Faktoren spielen auch mit, gute Leute sind nämlich teurer geworden. Früher zogen Pioniere nach Zug wegen des Versprechens, an einer neuen, dezentralisierten Welt zu basteln. Heute hat jede Big-Tech-Firma ein Tokenisierungs-Team, das mit grossen Gehältern lockt. Bildungseinrichtungen wie die Uni Luzern, die HSLU, oder die ETH Zürich bilden zwar neue Talente aus, doch seit Covid ist es einfacher geworden, über Grenzen hinweg als Team zu arbeiten, also ist die Konkurrenz globaler geworden.

Ist es also möglich, heute nochmals ein Crypto Valley aufzubauen? Ja, aber anders. Kein Wilder Westen wie damals, sondern ein reguliertes, nachhaltiges Modell. Die Schweiz hat hier viele Vorteile, beispielsweise die stabile Wirtschaft und die direkte Demokratie. Doch auch in Afrika oder Lateinamerika könnte ein «Crypto Valley 2.0» entstehen mit Fokus auf Finanzinklusion, Tokenisierung von Ernten, oder Stablecoins, die gegen Hyperinflation schützen. Ein exaktes Duplikat von 2013 ist also kaum möglich, vor allem wegen Regulierungen und Konkurrenz, doch ein modernes Äquivalent auf jeden Fall. Es ist wie beim Bauen eines Hauses: Die Pfahlbauer haben einfach improvisiert, doch heute braucht mal Pläne und Genehmigungen.

Wenn du mehr von den Pionieren im Crypto Valley hören willst, die damals an vorderster Front dabei waren, dann schau dir ihre Interviews auf www.cryptovalleypioneers.ch an. Sie erzählen Geschichten, die zeigen, wie man Hürden meistert. Wer weiss, vielleicht inspirieren sie dich zu deinem eigenen Crypto Valley.