Autor: Manuel Stagars
Februar 2026

Stell dir vor, du sitzt in einem gemütlichen Café in einer kleinen Schweizer Stadt, umgeben von schneebedeckten Bergen, und nippst an einem Latte Macchiato. Nur die Geräuschkulisse klingt wie aus einem Science-Fiction-Roman. Am Nebentisch reden sie über digitale Währungen, die jeder herstellen aber niemand anfassen kann, die aber trotzdem die Welt verändern. Willkommen im Crypto Valley in Zug, dem unscheinbaren Epizentrum der Revolution der Kryptowährungen! Hier ist der Ort, an dem die Geschichte der Kryptowährungen begann, ohne dass es die meisten von uns bemerkt hätten.

Spulen wir also kurz zurück. Alles fing an um 2013 herum, als eine Handvoll Visionäre, nennen wir sie «Crypto Valley Pioneers», in Zug am gleichen Strick zogen und den Stein ins Rollen brachten. Warum Zug? Nun, diese Stadt im gleichnamigen Kanton ist nicht gerade für ihre Partyszene bekannt, stattdessen lockt sie mit etwas, das für Schweizer Verhältnisse fast langweilig klingt: niedrigen Steuern, einer stabilen Politik und einer Regierung, die man quasi per Du anspricht. Stell dir vor, du machst einen Cold Call beim Stadtpräsidenten, um eine neue Idee zu besprechen, und er hört dir tatsächlich zu, und dann ruft er auch noch die Vorsteher des Finanz- und Arbeitsdepartement für ein Brainstorming herüber. Das ist in Zug Realität.

Die frühen Innovatoren brachten tatsächlich viele Ideen mit, die auf den ersten Blick absurd klangen. Digitale Coins, die ohne Banken auskommen? Ketten aus Blöcken, die Transaktionen für immer festhalten? Menschen in der ganzen Welt sollen Zugang zu einem unantastbaren dezentralen Finanzsystem haben? Es war die Geburtsstunde von Projekten, die heute Milliarden wert sind, aber damals eher wie Fantastereien von Computer-Nerds daherkamen. Durch seine Offenheit und kurzen Wege wurde Zug damals zur Wiege der Blockchain-Technologie, die tatsächlich die Grundlage für das legte, was wir heute als «Crypto» kennen. Ein System, das so dezentralisiert ist wie die Schweiz selbst mit ihren Kantonen und direkter Demokratie. Ironischerweise passt das perfekt: Die Schweizer lieben es, Dinge selbst zu regeln, ohne dass ein zentraler Boss alles diktiert. Blockchain? Dasselbe Prinzip, nur mit Code statt Urnengängen und Volksabstimmungen.

Aber warum kennt kaum jemand Crypto Valley, diesen magischen Ort? Naja, im Gegensatz zum Silicon Valley, wo jede Idee mit Feuerwerken und TED-Talks gefeiert wird, ist Crypto Valley mehr wie ein gut gehütetes Geheimnis. Die Schweizer und die Zuger ganz besonders sind Meister der Untertreibung. Während Kalifornien mit Selfies von Tech-Milliardären protzt, sitzen die Zuger da und machen einfach ihren Job. Kein Wunder, dass die Medien lieber über spektakuläre Pleiten oder Hypes berichten, als über die stille Arbeit in einem Kanton, der kleiner ist als manche Vororte. Und doch: Hier wurden die ersten Schritte gemacht, die Kryptowährungen von einem Randphänomen zu einem globalen Powerhouse machten. 2016 wurde Zug sogar die erste Stadt der Welt, die Bitcoin für öffentliche Gebühren akzeptierte. Ein genialer Schachzug, der so unspektakulär war wie das Bezahlen einer Parkuhr, aber revolutionär in seiner Normalität. Denn damals wurde Bitcoin noch als Währung der Cyberkriminellen missverstanden, mit der sich keine andere Regierung der Welt in Verbindung bringen lassen wollte. Wie die Zeiten sich geändert haben.

Vergleichen wie das einmal mit etwas Alltäglichem, dem Kuchenbacken. Die wichtigen Zutaten sind alle da: Mehl (die stabile Schweizer Wirtschaft), Zucker (die niedrigen Steuern) und Eier (die offene Haltung zu Innovation). Crypto Valley ist der Ofen, in dem alles backt. Ohne diesen Ofen gäbe es keinen Kuchen, oder in unserem Fall keine Blockchain-Bewegung. Die Bedeutung liegt in der Synergie und der Infrastruktur: Forschungsinstitute in der Nähe, wie die ETH Zürich, die mit ihren Köpfen beitragen, ohne dass es jemand merkt. Und die Regulierungen? In der Schweiz sind sie klar und fair, nicht wie in manchen Ländern, wo man sich fühlt wie in einem Wildwest-Film. Hier wird Blockchain nicht als Bedrohung gesehen, sondern als Chance.

Diese Haltung hat 2012 Ethereum dazu bewogen, in Zug ihre Technologie vom Whitepaper zum Leben zu erwecken. Damals ein Nobody ist Ethereum heute die zweitgrösste Blockchain der Welt mit einer grösseren Marktkapitalisierung als alle Schweizer Banken zusammen. Tausende von Unternehmen sind Ethereum nachgefolgt und haben in Zug ihre Zelte aufgeschlagen. Man könnte sagen, dass ohne Ethereum die heutige Kryptoszene ganz anders aussähe oder vielleicht gar nicht bestünde. Und Zug war damals ziemlich der einzige Ort der Welt, an dem eine Idee wie Ethereum ganz legal möglich war.

Heute, im Jahr 2026, hat sich Crypto Valley zu einem veritablen Ökosystem entwickelt. CV VC zählt in seinem Top 50 Report 2025 über 1’700 Firmen im Crypto Valley, von Startups bis zu etablierten Playern. Crypto Valley hat Blockchain-Initiativen in der ganzen Welt inspiriert und globale Regulierungsstandards exportiert. Mit Veranstaltungen wie der Crypto Valley Conference bleibt es auch ein akademischer Hub für zukünftige Debatten.

Aber seien wir ehrlich, gab natürlich auch Rückschläge. Einige Startups haben von der Mondlandung gesprochen und sind stattdessen im Zugersee versunken. Doch solche Pleiten haben Crypto Valley gestärkt, wie der Zuger Kirsch, der erst durch das Brennen besser wird. Es hat also nicht jede Idee funktioniert, und einige grosse Versprechungen haben sich in Luft aufgelöst. Dennoch bleibt der Kern intakt: Eine Community, die lernt und sich ständig weiterentwickelt und anpasst. Eben wie ein Schweizer Taschenmesser, vielseitig und zuverlässig.

Was macht Crypto Valley denn nun so entscheidend für die Geschichte der Kryptowährungen? Es ist der Beweis, dass bahnbrechende Innovation nicht immer laut sein muss. Während andere Orte mit schnellen luftigen Erfolgen protzen, baut Zug auf Netzwerke und Stabilität. Hier wurden Standards gesetzt, die nun weltweit kopiert werden: Von regulatorischen Frameworks, die Sicherheit bieten, bis hin zu Partnerschaften zwischen Blockchain-Unternehmen und traditionellem Banking. Die Schweizer Banken, die einst skeptisch waren, integrieren Blockchaintechnologie nun in ihre Systeme. Und global? Crypto Valley hat Einfluss auf Regulierungen in der ganzen Welt genommen, indem es zeigt, wie man diese Technologie fördert, ohne sie zu ersticken.

Nehmen wir zum Abschluss ein Beispiel aus dem echten Leben: Hast du schon mal Geld ins Ausland überwiesen? Früher: Hohe Gebühren, Wartezeiten, Papierkram. Dank Ideen aus Crypto Valley: Schnell, günstig, transparent, grenzenlos. Der Unterschied ist vergleichbar mit dem zwischen einer alten Postkutsche und einem Satelliten, der die Erde umkreist. Aber witzig wird es, wenn man bedenkt, dass all das in einer Stadt passiert, die für ihr Kirschwasser und ihre Kirschtorte bekannter ist als für Code. Die Einheimischen zucken oft mit den Schultern, sie nicken nur und sagen: «Crypto? Das ist wie unser Wetter. Unvorhersehbar, aber wir haben immer einen Regenschirm parat.»

Inzwischen hat sich Crypto Valley übrigens weit über die Grenzen von Zug ausgebreitet und umfasst die ganze Schweiz und Liechtenstein. Trotzdem ist seine bescheidene Unsichtbarkeit ein Teil des Charmes der ganzen Sache. In einer Welt, die von Social-Media-Hypes dominiert wird, ist Crypto Valley die Antithese. Es ist der ruhige DJ in der Ecke, der die Party am Laufen hält, während andere auf der Tanzfläche Purzelbäume schlagen. Crypto Valley hat die Grundlage für dezentralisierte Finanzsysteme gelegt. Diese sind wie ein Gemeinschaftsgarten, wo jeder nach vorgeschriebenen Regeln pflanzt, ohne dass ein Chef-Gärtner bestimmt, was Unkraut ist und was nicht. Darauf fussen auch NFTs (ob man sie mag oder nicht) und viele Anwendungen in Lieferketten, die niemand sieht, aber alle nutzen.

Aber genug der Lobhudelei, die Krypto-Welt ist auch kein Paradies. Kritiker werfen ein, dass Krypto zu viel Energie frisst, und dass Regulierungen weiter angepasst werden müssen. Doch genau das macht Crypto Valley langlebig: Es passt sich immer wieder an, lernt aus Fehlern und bleibt relevant. Die Pioniere aus dem Crypto Valley sprechen übrigens auch persönlich von ihren Erlebnissen aus den Kinderstunden der Blockchain-Bewegung. Ihre Interviews sind auf www.cryptovalleypioneers.ch abrufbar. Vielleicht inspiriert es dich, selbst mal nach Zug zu reisen? Es gibt dort viel zu sehen, auch hinter den Kulissen.