Autor: Manuel Stagars
Februar 2026

Crypto Valley hat sich seit 2013 etabliert und der Schweiz gerade in den letzten Jahren eine ganze Menge Ruhm gebracht. Denn im Rückblick, ist das Crypto Valley eine visionäre Leistung, die in der Welt ihresgleichen sucht. Sicher, heute ist Krypto in aller Munde, und viele Länder locken mit krypto-freundlicher Regulierung Unternehmen an, doch vor zehn Jahren war Crypto Valley allein auf weiter Flur. Der Nutzen davon ist nicht nur in Form von Schlagzeilen oder Milliardenbewertungen. Crypto Valley hat Jobs geschaffen, Steuern eingenommen, Innovationen in die traditionelle Schweizer Wirtschaft gebracht und den Ruf des Landes als Tech- und Finanzstandort aufgefrischt. Doch ist dies kein reiner Gewinn ohne Kehrseite und Kosten, aber der Saldo ist auf jeden Fall positiv. Schauen wir uns doch etwas genauer an, was konkret Crypto Valley der Schweiz gebracht hat.

Zuerst die Zahlen, die sind wenigstens greifbar. Laut dem CV VC Report vom Mai 2025 gibt es in der Schweiz und Liechtenstein 1’749 aktive Blockchain-Unternehmen, was einem Wachstum von 132 Prozent seit 2020 entspricht, und Zug beherbergt fast die Hälfte davon. Viele dieser Firmen beschäftigen Leute, zahlen Löhne und Steuern. Schätzungen aus früheren Jahren sprechen von mehreren Tausend direkten und indirekten Jobs im Sektor. Gerade in einem kleinen Kanton wie Zug bedeutet dies spürbare Impulse für die lokale Wirtschaft, vom Co-Working-Space bis zum Restaurant um die Ecke.

Steuereinnahmen sind ein weiterer Punkt. Die Schweiz profitiert von der Ansiedlung von Tech-Unternehmen, zu denen auch Krypto-Firmen zählen. Wenn Tokens oder Gewinne versteuert werden, fliesst das in die Kassen der Kantone und des Bundes. Genauere Zahlen über die Steuereinnahmen aus dem Krypto-Sektor sind schwer zu bekommen, doch der Kanton Zug beispielsweise hat durch Crypto Valley einen spürbaren Zuwachs an Steuereinnahmen erlebt und profitiert von niedrigen Unternehmenssteuern, die Krypto-Firmen anziehen. Die Regierung hat früh klare Regeln gesetzt, und das zahlt sich jetzt aus.

Doch der grösste Gewinn ist wahrscheinlich der Innovationstransfer in die Schweiz. Crypto Valley hat die traditionelle Schweizer Finanzwelt aufgerüttelt. Banken, die früher skeptisch waren, integrieren nun Blockchain-Elemente in ihrem Tagesgeschäft, sei es für schnellere Zahlungen, sichere Verwahrung oder Tokenisierung von Vermögenswerten. Das schafft Effizienzen, weniger Papierkram, schnellere Abwicklungen, und niedrigere Kosten. Früher musste man bei einer Überweisung ins Ausland Tage warten und hohe Gebühren bezahlen, heute geschieht dies oft innert Minuten und ist fast gratis. Solche Innovationen kommen nicht nur Krypto-Nutzern zugute, sondern der ganzen Wirtschaft. Dazu kommen Partnerschaften zwischen Alt und Neu. Schweizer Banken arbeiten mit Blockchain-Firmen zusammen und entwickeln so neue, hybride Modelle. Das stärkt den Finanzplatz Schweiz insgesamt. Der Ruf als «Crypto Nation Schweiz» zieht Talente an, wie Entwickler, Juristen, oder Forscher. Universitäten wie die ETH Zürich, die Uni Luzern, oder die HSLU profitieren davon, bauen ihre Blockchain-Kurse aus und forschen enger mit der Industrie zusammen. So entsteht ein positiver Kreislauf, in dem gute Ausbildung Firmen anzieht, welche dann Jobs schaffen, die wiederum talentierte Spezialisten im Land behalten.

In der heutigen Welt, in der Regulierungen oft chaotisch sind, steht die Schweiz als Vorbild für ausgewogene Ansätze. In dieser Hinsicht hat Crypto Valley der Schweiz Soft Power gebracht, denn in Sachen Kryptoregulation war sie ganz vorne dabei.  Die FINMA-Richtlinien von 2017 wurden international beachtet, und selbst mit MiCA in der EU passt sich die Schweiz zwar an, behält ihren eigenen Weg jedoch bei.

Aber es gibt auch Schattenseiten, denn nicht alles war reibungslos. Bis die Regulierungen standen, ist der eine oder andere Skandal nicht spurlos am Crypto Valley vorbeigezogen. Der Envion-Skandal (2018) beispielsweise war einer der grössten Krypto-Betrugsfälle, bei dem Anleger durch ein illegales Initial Coin Offering (ICO) aus dem Crypto Valley rund 100 Millionen US-Dollar verloren. Das Berliner Startup versprach mobiles Krypto-Mining mit Ökostrom, agierte jedoch ohne Bewilligungen der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA. Diese stellte 2019 die illegale Tätigkeit fest und liquidierte die Gesellschaft in der Schweiz. Ein Teil der eingesammelten Kryptowährungen blieb lange Zeit unauffindbar. Solche Fälle haben zu strengeren Regeln geführt, was den Sektor langfristig sicherer macht.

Trotzdem: Der Nettoeffekt des Crypto Valley auf die Schweiz ist positiv. Während die USA erst seit 2025/26 mit neuen Regelungen Krypto-Firmen anlocken, hat die Schweiz seit 2017 regulatorische Klarheit. Die Nase vornezuhaben im Crypto Valley hat der Schweiz geholfen, in der digitalen Wirtschaft mitzuspielen. Es hat Tausende Jobs gebracht, Milliarden an Wert geschaffen und den Finanzplatz zukunftsfähig gemacht. Ohne das alles wäre die Schweiz vielleicht nur noch ein Bankenland der alten Schule.

Viel mehr zu diesem Thema berichten die Pioniere aus dem Crypto Valley selber in ihren Interviews auf www.cryptovalleypioneers.ch. Unternehmer, Bundesräte, Zuger Politiker, Banker und weitere erzählen von ihren Erlebnissen im frühen Crypto Valley, als wäre es erst gestern gewesen. Sie erzählen von den Anfängen, den vielen Hürden und auch, was deren Überwindung der Schweiz gebracht haben.